Verzicht und Opfer

Liebe Gemeindemitglieder,
„Merkel ruft die Bevölkerung zu Verzicht und Opfern im Kampf gegen die Corona-Krise auf“, das stand gestern unmittelbar nach der öffentlichen Ankündigung der Bundeskanzlerin auf der Internetseite der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Verzicht und Opfer sind kirchliche Begriffe, mit denen die Kirche selbst bei ihren Mitgliedern lange nicht mehr punkten konnte. Eher kam es zu ironischen Bemerkungen wie: „Man muss auch einmal auf ein Opfer verzichten können“.
Und jetzt werden diese Begriffe zur Richtschnur des Handelns einer kompletten pluralen freiheitsliebenden Gesellschaft.
Dass die meisten in den Verzicht einwilligen liegt natürlich daran, weil es um nichts Geringeres geht als um Menschenleben.
Bei Verzicht und Opfer ging es immer schon ums Leben.
Immer schon waren Menschen bereit, etwas zu geben (zu opfern), um dafür etwas zurück zu bekommen, oder etwas ihnen Wertvolles zu schützen.
Auch jetzt haben wir die Erwartung, dass unser solidarisches Handeln Früchte tragen wird.
Wir verzichten auf Treffen mit Freunden, auf Kaffee trinken, shoppen oder essen gehen, Kegeln und Fußball spielen usw.; wir verzichten auf Gottesdienst feiern, Konzerte und Theater, auf größere Events und kleine Partys.
Wir verzichten ab heute darauf, uns für eine gewisse Zeit zu dritt zu treffen.
Wir nehmen Abstand in einem Maße, wie wir es noch nicht erlebt haben, tun das aber in der Erwartung, einer rasanten Verbreitung des Virus Herr zu werden.
„Nie war es so wichtig, gemeinsam allein zu sein“ titelt das Zeit-Magazin.
Eben: gemeinsam! Und darum liegt in diesem Verzicht nicht nur der Wunsch, dass der Virus eingedämmt wird, sondern mittlerweile auch die Hoffnung, „die Grenzen unseres extremen Individualismus anzuerkennen und den Wert der Solidarität wiederzuentdecken.“ So erhofft es sich wenigstens der 93jährige bekannte italienische Soziologe Franco Ferrarrotti.
„Kehret um, damit ihr am Leben bleibt!“ Diese Worte des Propheten Ezechiel fallen mir dazu ein. (Ez 18,32) Im 18. Kapitel ruft Gott durch den Propheten dazu auf: „Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist!“ (Ez 18,31)
Von der Benediktinerin Charis Doepgen kommen diese Worte:
ENTSAGUNG
entsagen
Nein sagen können
Ja sagen wollen
entsagen
endlich sagen:
nein
zu den Zwängen
die Leben behindern
zu den Wünschen
die ins Kraut schießen
zu den Verlockungen
die den Blick vernebeln
entsagen
wieder sagen:
Ja
Ich widersage
Gebet:
Gott,
vor uns liegt eine Zeit des Verzichts,
den wir nicht freiwillig gewählt haben.
Er erfordert Disziplin aus Solidarität.
Darum bitte ich dich:
Sei mein Halt, wenn ich unsicher bin,
sei mein Licht an grauen Tagen,
sei meine Zuversicht, wenn ich Mutlosigkeit verspüre,
bleibe meine Quelle für meine Lebensenergie,
bleibe mein Begleiter in schweren Situationen,
bleibe meine Kraft, wenn ich mich schwach fühle.
Wenn ich jetzt auch nicht Verwandte besuchen kann,
du bist bei ihnen und ich mit ihnen im Herzen.
Wenn ich jetzt auch Freunde nicht treffen kann,
du bist bei ihnen und ich mit ihnen im Herzen.
Wenn ich auch die tägliche Begegnung mit Menschen
am Arbeitsplatz, im Zug, auf der Straße, in der Kirche vermisse,
so weiß ich,
wir sind jetzt gemeinsam allein
und du bist bei uns,
„alle Tage, bis zum Ende der Welt“.
Ich wünsche Ihnen einen frohen Tag! Ihr Pastor Ferdinand Hempelmann
„Merkel ruft die Bevölkerung zu Verzicht und Opfern im Kampf gegen die Corona-Krise auf“, das stand gestern unmittelbar nach der öffentlichen Ankündigung der Bundeskanzlerin auf der Internetseite der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Verzicht und Opfer sind kirchliche Begriffe, mit denen die Kirche selbst bei ihren Mitgliedern lange nicht mehr punkten konnte. Eher kam es zu ironischen Bemerkungen wie: „Man muss auch einmal auf ein Opfer verzichten können“.
Und jetzt werden diese Begriffe zur Richtschnur des Handelns einer kompletten pluralen freiheitsliebenden Gesellschaft.
Dass die meisten in den Verzicht einwilligen liegt natürlich daran, weil es um nichts Geringeres geht als um Menschenleben.
Bei Verzicht und Opfer ging es immer schon ums Leben.
Immer schon waren Menschen bereit, etwas zu geben (zu opfern), um dafür etwas zurück zu bekommen, oder etwas ihnen Wertvolles zu schützen.
Auch jetzt haben wir die Erwartung, dass unser solidarisches Handeln Früchte tragen wird.
Wir verzichten auf Treffen mit Freunden, auf Kaffee trinken, shoppen oder essen gehen, Kegeln und Fußball spielen usw.; wir verzichten auf Gottesdienst feiern, Konzerte und Theater, auf größere Events und kleine Partys.
Wir verzichten ab heute darauf, uns für eine gewisse Zeit zu dritt zu treffen.
Wir nehmen Abstand in einem Maße, wie wir es noch nicht erlebt haben, tun das aber in der Erwartung, einer rasanten Verbreitung des Virus Herr zu werden.
„Nie war es so wichtig, gemeinsam allein zu sein“ titelt das Zeit-Magazin.
Eben: gemeinsam! Und darum liegt in diesem Verzicht nicht nur der Wunsch, dass der Virus eingedämmt wird, sondern mittlerweile auch die Hoffnung, „die Grenzen unseres extremen Individualismus anzuerkennen und den Wert der Solidarität wiederzuentdecken.“ So erhofft es sich wenigstens der 93jährige bekannte italienische Soziologe Franco Ferrarrotti.
„Kehret um, damit ihr am Leben bleibt!“ Diese Worte des Propheten Ezechiel fallen mir dazu ein. (Ez 18,32) Im 18. Kapitel ruft Gott durch den Propheten dazu auf: „Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist!“ (Ez 18,31)
Von der Benediktinerin Charis Doepgen kommen diese Worte:
ENTSAGUNG
entsagen
Nein sagen können
Ja sagen wollen
entsagen
endlich sagen:
nein
zu den Zwängen
die Leben behindern
zu den Wünschen
die ins Kraut schießen
zu den Verlockungen
die den Blick vernebeln
entsagen
wieder sagen:
Ja
Ich widersage
Gebet:
Gott,
vor uns liegt eine Zeit des Verzichts,
den wir nicht freiwillig gewählt haben.
Er erfordert Disziplin aus Solidarität.
Darum bitte ich dich:
Sei mein Halt, wenn ich unsicher bin,
sei mein Licht an grauen Tagen,
sei meine Zuversicht, wenn ich Mutlosigkeit verspüre,
bleibe meine Quelle für meine Lebensenergie,
bleibe mein Begleiter in schweren Situationen,
bleibe meine Kraft, wenn ich mich schwach fühle.
Wenn ich jetzt auch nicht Verwandte besuchen kann,
du bist bei ihnen und ich mit ihnen im Herzen.
Wenn ich jetzt auch Freunde nicht treffen kann,
du bist bei ihnen und ich mit ihnen im Herzen.
Wenn ich auch die tägliche Begegnung mit Menschen
am Arbeitsplatz, im Zug, auf der Straße, in der Kirche vermisse,
so weiß ich,
wir sind jetzt gemeinsam allein
und du bist bei uns,
„alle Tage, bis zum Ende der Welt“.
Ich wünsche Ihnen einen frohen Tag! Ihr Pastor Ferdinand Hempelmann











